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Code wird zur Commodity, UX und UI machen den Unterschied

Patrick Hux
Lead Web & Growth
Wellen in Blau und Weiss mit Bewegungsunschärfe

Ein UX/UI Audit deckt systematisch auf, wo ein digitales Produkt seine Nutzer:innen verliert: durch überladene Interfaces, versteckte Funktionen und kognitive Überlastung. Der Aufwand liegt typischerweise bei zwei bis vier Wochen und liefert eine priorisierte Liste konkreter Verbesserungen. designtakt führt solche Audits für Webapplikationen und Webseiten durch und sieht dabei immer wieder dieselben Muster, unabhängig von Branche und Technologie.

Vor fünf Jahren war es undenkbar, dass eine einzelne Person über Nacht eine komplette Applikation oder eine ganze Marketing-Website schreibt. 2026 behaupten das immer mehr Entwickler auf LinkedIn und X. Und in vielen Fällen stimmt es: AI Coding Agents wie Cursor, Claude Code oder Windsurf machen es möglich.

Code folgt einer universellen, logischen Sprache. Maschinen können diese Sprache lesen, verstehen und zunehmend auch schreiben. Deshalb wird Code zur Commodity.

Aber ein technisch fehlerfreies Produkt ist noch lange kein brauchbares Produkt.

Warum Code zur Commodity wird

Code ist eindeutig. Eine Funktion tut, was sie tut, oder sie wirft einen Fehler. Diese Eindeutigkeit macht Code maschinenlesbar und damit automatisierbar. AI-Modelle können heute tausende Zeilen Code generieren, die kompilieren, Tests bestehen und funktional korrekt sind.

Das bedeutet: Die reine Implementierung, das Übersetzen einer klaren Spezifikation in funktionierenden Code, wird weniger wert. Es gibt zwar Qualitätsunterschiede in Architektur, Performance und Wartbarkeit. Ein erfahrener Entwickler schreibt oft effizienteren und besser strukturierter Code, oder er leitet ein AI-Agent entsprechend an.

Für Unternehmen heisst das: Die technische Umsetzung allein ist kein Wettbewerbsvorteil mehr. Wenn zwei SaaS-Produkte dieselbe Funktion bieten und technisch gleichwertig sind, entscheidet etwas anderes darüber, welches sich durchsetzt.

Was bei UX und UI anders ist

Bei User Experience (UX) und User Interface (UI) gibt es keine eindeutig richtige Lösung. Kein Compiler, der sagt: "Dieses Onboarding ist korrekt." Kein Test, der bestätigt: "Diese Navigation ist verständlich." Die Fragen, die UX und UI beantworten müssen, sind grundlegend anders als technische Fragen.

Was passiert, nachdem sich jemand registriert hat? Welche Information braucht eine Nutzerin auf dem Dashboard als Erstes? Warum sollte jemand morgen zurückkehren und das Produkt erneut öffnen? Welche drei von zwanzig Funktionen gehören in die Hauptnavigation, und welche siebzehn dürfen zwei Klicks tiefer liegen?

Diese Entscheidungen erfordern ein Verständnis für menschliches Verhalten, für Aufmerksamkeit, Gewohnheiten und kognitive Grenzen. AI kann Interfaces generieren, die technisch korrekt sind. Aber ob ein Interface im Alltag funktioniert, ob Menschen es verstehen, gerne nutzen und wiederkommen, das lässt sich nicht kompilieren.

Was ein UX/UI Audit aufdeckt

designtakt hat kürzlich ein UX/UI Audit für eine Bausoftware durchgeführt, die kurz vor dem Launch stand. Die Applikation war technisch solide gebaut, die Funktionen waren vorhanden, die Performance stimmte. Und trotzdem hätten Nutzer:innen Probleme gehabt.

Die Muster waren dabei typisch für viele digitale Produkte. Interfaces zeigten zu viele Informationen gleichzeitig. Funktionen waren zwar implementiert, aber in Darstellungsformen verpackt, die ihre Bedeutung verschleierten. Wichtige Aktionen lagen hinter Menüs versteckt, während sekundäre Optionen prominent platziert waren. Das Resultat: kognitive Überlastung.

Kognitive Überlastung entsteht, wenn ein Interface mehr Entscheidungen verlangt, als ein Mensch in einem Moment sinnvoll verarbeiten kann. Jeder zusätzliche Button, jedes zusätzliche Feld, jede zusätzliche Information auf einem Screen kostet mentale Energie. Ab einem gewissen Punkt hören Menschen auf, bewusst zu entscheiden, und klicken entweder auf das Erstbeste oder verlassen das Produkt ganz. In der Psychologie heisst dieses Phänomen Decision Fatigue: Je mehr Entscheidungen jemand treffen muss, desto schlechter werden die Entscheidungen oder werden garnicht mehr getroffen.

Ein UX/UI Audit macht diese Probleme sichtbar, bevor sie zu Abwanderung, Support-Tickets oder schlechten Bewertungen führen.

Reduce to the max: Weniger Interface, bessere Entscheidungen

Eines der Grundprinzipien bei designtakt lautet: Reduce to the max. Klare, reduzierte Interfaces funktionieren immer besser als überladene. Das ist keine ästhetische Präferenz, es ist eine Konsequenz aus der Funktionsweise menschlicher Aufmerksamkeit.

Ein Beispiel aus der eigenen Praxis: Bei betrgsc.com, einem Google Search Console Visualizer von designtakt, zeigt der Home Screen nur vier Haupt-KPIs und die Top-Empfehlungen. Die Applikation hat deutlich mehr Daten und Funktionen unter der Haube. Aber der Einstieg ist bewusst auf das Wesentliche reduziert. Nutzer:innen sehen auf einen Blick, was relevant ist, und können bei Bedarf tiefer einsteigen.

SEO-Dashboard mit Klicks, Impressionen und Performance-Verlauf

Das Gegenteil wäre ein Dashboard, das alle verfügbaren Metriken, Diagramme und Optionen gleichzeitig anzeigt. Technisch korrekt, funktional vollständig, aber für den Alltag unbrauchbar. Wer sich jeden Morgen durch dreissig Datenpunkte kämpfen muss, um die eine relevante Zahl zu finden, wird das Produkt irgendwann nicht mehr öffnen.

Reduktion bedeutet dabei Priorisierung, kein Weglassen. Die Kunst liegt darin, zu entscheiden, was in den Vordergrund gehört und was in die zweite Ebene darf. Diese Entscheidung lässt sich mit Nutzungsdaten, Interviews und Erfahrung treffen. Sie lässt sich (noch) nicht delegieren.

Wie designtakt ein UX UI Audit durchführt

Ein UX UI Audit bei designtakt folgt einem strukturierten Prozess. Am Anfang steht eine Bestandsaufnahme: Welche Screens, Flows und Interaktionen gibt es? Wo liegen die geschäftskritischen Pfade, also die Wege, die Nutzer:innen nehmen müssen, um den Kernwert des Produkts zu erleben?

Dann analysiert designtakt jeden dieser Pfade nach bewährten UX-Prinzipien. Dazu gehören die kognitive Last pro Screen, die Konsistenz von Interaktionsmustern, die Hierarchie der Informationen und die Klarheit der Navigation. Jedes Problem wird dokumentiert, kategorisiert und nach Schweregrad priorisiert.

Das Ergebnis ist ein Audit-Report mit konkreten Empfehlungen. Jede Empfehlung enthält das identifizierte Problem, die Auswirkung auf das Nutzererlebnis und einen Lösungsvorschlag. Die Empfehlungen sind nach Impact priorisiert, damit Produktteams wissen, wo sie zuerst ansetzen sollten. Oder wir setzen die Änderungen auch direkt um.

Typische Findings umfassen überladene Dashboards, inkonsistente Navigationskonzepte, fehlende Onboarding-Schritte, schlecht platzierte Call-to-Actions und Formulare, die mehr Felder haben als nötig.

Was ein UX UI Audit aus Business-Sicht bringt

Ein UX/UI Audit ist eine Investition, die sich über mehrere Hebel auszahlt. Der direkteste: höhere Conversion Rates. Wenn Nutzer:innen schneller verstehen, was ein Produkt bietet und wie es funktioniert, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich registrieren, kaufen oder eine Anfrage senden.

Der zweite Hebel ist Retention. Produkte mit klaren, reduzierten Interfaces werden häufiger und länger genutzt. Ein Dashboard, das auf einen Blick die relevanten Informationen zeigt, wird zum täglichen Werkzeug. Ein überladenes Dashboard wird zum notwendigen Übel, das man so selten wie möglich öffnet.

Der dritte Hebel ist Support-Reduktion. Ein grosser Teil der Support-Anfragen bei digitalen Produkten entsteht, weil Nutzer:innen Funktionen nicht finden oder Abläufe nicht verstehen. Ein UX UI Audit identifiziert genau diese Stellen und liefert Lösungen, die das Support-Volumen messbar senken.

Für SaaS-Produkte kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Churn Prevention. Wenn Nutzer:innen in den ersten Minuten nach der Registrierung nicht verstehen, wie das Produkt ihnen hilft, kündigen sie. Ein sauberes Onboarding und ein fokussiertes Interface können die Churn Rate im ersten Monat signifikant reduzieren.

Häufige Fragen zu UX UI Audits

Was kostet ein UX/UI Audit?

Die Kosten hängen vom Umfang des Produkts ab. Ein fokussiertes Audit der Kernflows einer Webapplikation liegt bei designtakt typischerweise zwischen 4'000 und 8'000 CHF. Bei grösseren Produkten mit vielen Screens und komplexen Nutzergruppen kann der Aufwand entsprechend höher ausfallen. Der Return on Investment zeigt sich in der Regel innerhalb weniger Wochen durch bessere Conversion Rates und weniger Support-Aufwand.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein UX/UI Audit?

Der grösste Hebel entsteht vor einem Launch oder Relaunch, weil Änderungen dann noch ohne Migrationskomplikationen umsetzbar sind. Aber auch bei bestehenden Produkten lohnt sich ein Audit, besonders wenn die Nutzungszahlen stagnieren, die Support-Anfragen steigen oder das Onboarding hohe Abbruchraten zeigt.

Braucht mein Produkt ein UX/UI Audit oder ein Redesign?

Ein UX UI Audit ist der richtige erste Schritt, wenn das Produkt funktional steht, aber die Nutzerzufriedenheit oder die Kennzahlen hinter den Erwartungen bleiben. Das Audit zeigt, ob gezielte Verbesserungen ausreichen oder ob ein grundlegenderes Redesign nötig ist. In vielen Fällen reichen fokussierte Anpassungen an Navigation, Informationshierarchie und Onboarding, um spürbare Verbesserungen zu erzielen, ohne das gesamte Produkt neu zu bauen.

Was ist der Unterschied zwischen einem UX-Audit und einem UI-Audit?

Ein UX Audit analysiert das gesamte Nutzererlebnis: Abläufe, Navigation, Onboarding, Informationsarchitektur und die Frage, ob Nutzer:innen ihre Ziele erreichen. Ein UI Audit fokussiert auf die visuelle Ebene: Konsistenz der Gestaltung, Lesbarkeit, Farbkontraste, Abstände und die visuelle Hierarchie. Bei designtakt kombinieren wir beide Perspektiven, weil sich UX-Probleme und UI-Probleme in der Praxis selten sauber trennen lassen.

Fazit

Code schreiben kann 2026 fast jeder. Ein Produkt bauen, das Menschen gerne nutzen, erfordert mehr als funktionierende Technik. Es erfordert Entscheidungen darüber, was Nutzer:innen sehen, was sie tun und was sie fühlen sollen. Ein UX UI Audit macht sichtbar, wo diese Entscheidungen fehlen oder falsch getroffen wurden. Wenn dein digitales Produkt technisch steht, aber die Nutzung hinter den Erwartungen bleibt, melde dich bei uns.

(Artikel von)

Patrick Hux
Lead Web & Growth

Patrick ist Lead Web & Growth und spezialisiert auf Webentwicklung, SEO, Webdesign und digitale Strategien. Mit seinem Hintergrund in Wirtschaftsinformatik bringt er komplexe Themen auf den Punkt und entwickelt skalierbare Lösungen mit klarem Fokus auf Wachstum und Wirkung.